Talg auslassen: Bratfett, Kerzen und Seife aus einem Stück Fett

Schaf- und Rindertalg wird meistens entsorgt. Ausgelassen ist er ein Bratfett, ein Kerzenwachs und die Grundlage jeder alten Seife.

Talg ist das feste Fett von Schaf und Rind, das um die Nieren und entlang des Rückens sitzt. Anders als Schweineschmalz ist er bei Zimmertemperatur hart und schmilzt erst bei etwa 45 Grad. Genau deshalb war er jahrhundertelang das Kerzenmaterial der Bauern, bevor Paraffin kam, und die Fettgrundlage jeder Seife. Und deshalb landet er heute im Abfall: Er ist weniger bequem als Schmalz.

Beim Thementag Schaf lassen wir am Nachmittag den Talg des Tieres aus. Aus einem Schaf kommen rund zwei Kilo, und die reichen für ein Glas Bratfett, sechs Kerzen und einen Block Seife.

Auslassen: langsam, mit Wasser

Den Talg von Häuten und Fleischresten befreien, in kleine Würfel schneiden oder durch den Fleischwolf drehen. In einen Topf mit einem Fingerbreit Wasser, Deckel drauf, kleinste Hitze. Das Wasser verhindert, dass etwas anbrennt, bevor das Fett flüssig ist, und verkocht dann. Nach zwei bis drei Stunden ist das Fett klar und die Grammeln sind hell; dunkel werden dürfen sie nicht, sonst riecht der Talg nach Braten und die Kerze auch.

Durch ein Tuch abseihen. Wer ganz weißen Talg will, schmilzt ihn ein zweites Mal mit Wasser auf, lässt ihn erkalten und hebt den festen Block vom Wasser ab; der Schmutz bleibt unten. Zweimal gereinigter Talg hält im Keller ein Jahr.

Gezogene Talgkerzen vom Waldschaf. Sie brennen ruhiger als Paraffin und riechen nach nichts, wenn der Talg sauber ist.
Gezogene Talgkerzen vom Waldschaf. Sie brennen ruhiger als Paraffin und riechen nach nichts, wenn der Talg sauber ist.

Bratfett mit Rosmarin

Ein Teil des flüssigen Talgs mit einem Zweig Rosmarin und einer angedrückten Knoblauchzehe zehn Minuten ziehen lassen, abseihen, in ein Glas. Talg hat einen hohen Rauchpunkt und macht die beste Kruste an Bratkartoffeln und Schnitzel. Rindertalg ist neutral, Schaftalg schmeckt nach Schaf, und das ist bei Lamm erwünscht.

Kerzen ziehen

Talg auf 55 Grad erwärmen, einen Baumwolldocht daran hängen, eintauchen, herausziehen, abkühlen lassen, wieder eintauchen. Zwanzig bis dreißig Mal, dann hat die Kerze einen Daumen Durchmesser. Ein Löffel Bienenwachs im Talg macht die Kerze härter und den Docht ruhiger. Talgkerzen brennen bei uns im Stall, in der Küche und an der Tafel, und niemand hat je gefragt, wonach es riecht.

Seife sieden

Talgseife nach vier Wochen Reifung. Hart, wenig Schaum, und die beste Seife nach dem Stall.
Talgseife nach vier Wochen Reifung. Hart, wenig Schaum, und die beste Seife nach dem Stall.

Das ist ein eigener Nachmittag, den Alfred, der Seifensieder aus Ybbsitz, am Thementag Schaf leitet. Kurz gesagt: Talg und ein Drittel Olivenöl mit Natronlauge verseifen, in eine Form, vier Wochen reifen lassen. Mit Lauge arbeitet man mit Handschuhen und Brille und nicht mit Kindern in der Nähe. Die Seife ist hart, schäumt wenig und wäscht Hände nach dem Stall besser als alles aus dem Geschäft.

Talg gibt es im Hofladen im Stück, gereinigt und ungereinigt. Wer ihn selbst auslassen will, bekommt ihn ungereinigt und billiger.